Pure Desmond



Audrey

Liner notes from the forthcoming album "Audrey" (German version below. )



At the 1954 recording session for the Dave Brubeck Quartet’s album “Brubeck Time“, LIFE magazin photographer Gjon Mili shot a short film that inspired us to record this album. Doug Ramsey, writer auf Paul Desmond’s biography “The Public and Private Lives of Paul Desmond”, tells this story in his book:

“’I would like’, said Gjon, closing his eyes and raising his hand expressively, ‘I would like to see Audrey Hepburn come walking through the woods-‘ ‘Gee’, said Paul wistfully, ‘So would I.’”

Ramsey knows that his friend Paul had a crush on Hepburn, and recalls that Brubeck had to take a break from the recording session from time to time.Audrey played the title role in the Jean Giraudeaux play Ondine, at the 46th Street Theatre, not far from the studio, the band was recording at. Desmond knew when she would walk out the stage door and get in her limousine, and he wanted to be standing there. Dave Brubeck said:”He’d put his horn down, and out the door he’d go, and he’d run down just to stand and watch her leave”.

This story of longing and loneliness, of “Desperate Desmond” (Marian McPartland) and “Holly Golightly” inspired us to write music with passion, love and desire. And it brought us to different musical influences, that always had had an impact on us. To us, John Cage’s composition “Dream” seemed an emotional narrative of the lover’s soul. Ennio Morricone’s work on “Cinema Paradiso” gave another insight and fitted well into the portfolio of old cineast Paul Desmond. And of course there was “Jitterbug Waltz” by Fats Waller, a piece that almost makes you see Desmond’s vision of himself and Audrey, skating on the wintery ice of Central Park.

With our rendition of original songs in our own voice of the 21st century, played with an attitude the Paul Desmond Quartet might have had, we believe we can add yet another brick in the wall of retrospection of the “golden era of jazz” of the 1950s and 1960s, while taking another step towards a jazz music of our own generation and time. We want to make this a personal and contemporary music, with respect for the tradition and the work of the artists who came before us. That way our music is both traditional and new, looking back and ahead. Art is always moving, developing, changing. So is life and so are we. We wish to take you, dear listener, on a journey through compassion and wittiness, love, loneliness and fun. Enjoy your ride and stay versatile – in your mind and heart. Thank you for joining us!

Lorenz Hargassner, pure desmond

Audrey

„Jetzt würde ich gerne Audrey Hepburn durch den Wald kommen sehen.“ - Das waren die Worte des Filmemachers Gijon Mili zu den Mitgliedern des Dave Brubeck Quartet, als Mitte der 50er Jahre in den New Yorker Columbia Studios einer der ersten Kurzfilme über Jazz entstand. „Oh ja, das würde ich auch gerne“, so die Antwort des Saxophonisten der Band, Paul Desmond.

Heute, 60 Jahre später, stellt das preisgekrönte Quartett „pure desmond“ um die vier Musiker Lorenz Hargassner, Johann Weiß, Christian Flohr und Sebastian Deufel auf ihrem neuen Album „Audrey“ die Geschichte vor, die vielleicht passiert wäre, wenn Hepburn damals tatsächlich in der Nähe gewesen wäre. Und auch Desmonds Komposition „Audrey“, ein musikalisches Kleinod des „Take Five“-Komponisten, findet sich darauf in einer intimen, zerbrechlichen Interpretation des Cool Jazz Ensembles aus Deutschland.

Die Band hat ihre eigene Klanglichkeit in einer 15-jährigen Geschichte verfeinert – da ist der unter Kennern bereits legendäre Sound der Gruppe, „eine edle kammermusikalische Ästhetik: durchsichtig, überschaubar, linear, kontrolliert emotional und zurückgelehnt bis zur totalen Entspannung“, wie es die Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik ausdrückt. In der musikalischen Zusammenarbeit vieler dichter Konzertabende und intensiver Sessions sind neue Kompositionen entstanden, die sich thematisch mit der Geschichte von Paul Desmond und Audrey Hepburn beschäftigen. Hierbei betreten die Musiker stilistisches Neuland – und das macht sie zu wirklichen Erben der Jazz-Pioniere um Brubeck. Die Tradition des zeitlosen, organisch fließenden, raffinierten Klangs des Ensembles bildet einen interessanten Kontrast zu den neuen Kompositionen, die Lust zu Grenzgängen zeigen. Das Stück „Punch“ des Schlagzeugers Sebastian Deufel lässt Reminiszenzen an die Experimentierfreude Brubecks mit ungeraden Taktarten anklingen. In „Melancholy On Broadway“ entwickelt die Musik eine emotionale Sogwirkung wie in den „Engtanzballaden“ der Rockbands der 70er Jahre.

Auch schnelle, tänzerische Titel finden sich auf dem abwechslungsreichen Album, wie das pointierte und subtil swingende „Go Lightly“ oder „The Chase“, ein Stück, das auf einem Funk-Riff aufbaut. Die Bandbreite der Einflüsse ist groß. Es ist erstaunlich, wie logisch sich selbst ein Werk aus der klassischen Neuen Musik von John Cage mit dem zum Thema passenden Titel „Dream“ in die generell zarte, elegante Stimmung dieser Musik einfügt. So verlässt der rote Faden nie den Erzählstrang der Sehnsucht, des romantischen Traumes einer unerfüllten Liebe und behält dabei stets eine geistreiche, subtile Sprache.

Dave Brubeck wusste, warum der für sein lyrisches Spiel und seinen „Walter Mitty-Humor“ berühmte Saxophonist immer zu einer bestimmten Zeit während der Aufnahmen zum Album „Brubeck Time“ unruhig wurde – immer dann, wenn eine Probenpause der in der Nähe arbeitenden Audrey Hepburn zu erwarten war, gab es auch eine Pause in den Columbia Studios, damit Paul seinem Schwarm beim Rauchen auf der Feuerleiter zusehen konnte. Sie spielte die Nymphe Ondine at 46th Street.

„Und, was hast Du zu Ihr gesagt?“ wurde Desmond von seinem langjährigen Freund und Biographen, dem Jazzjournalisten Doug Ramsey gefragt. Er aber warf ihm nur einen überraschten Blick zu und antwortete: „Nichts. Was denkst Du denn?“